Wieder erfolgreiche Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Friedrichshain

Tausende Menschen erreichten in zahlreichen Gegenprotesten am Samstag, den 22. März, dass Neonazis nicht wie geplant durch Friedrichshain marschieren konnten. Über mehrere Stunden standen die Rechtsextremen am Bahnhof Ostkreuz und kamen schließlich nur wenige Meter weit.

Es sollte der dritte Aufmarsch innerhalb weniger Monate werden, nachdem bereits im Dezember und im Februar Neonazis durch Berlin marschiert waren. Bereits ab 12 Uhr sammelten sich Neonazis am S-Bahnhof Ostkreuz, das „Konzert“ (zwei Lieder) eines bekannten rechtsextremen Musikers begann planmäßig gegen 13 Uhr. Der Rest der geplanten Machtdemonstration – eine gut sieben Kilometer lange Aufmarschroute durch den alternativ geprägten Stadtteil – scheiterte dann aber.

Erneut reisten viele junge und auswärtige Neonazis aus Brandenburg und Sachsen an. Wieder waren „Ost, Ost, Ostdeutschland“- Rufe zu hören. An Kleidung und Fahnen gut zu erkennen waren unter anderem Neonazis, die sich mit den insbesondere auf Social Media präsenten Labels „Chemnitz Revolte“, „Gersche Jugend“ aus Gera oder auch „Urbs Turrium“ aus der Oberlausitz identifizieren. Auch junge Aufmarschteilnehmer mit (allerdings frei im Internet erhältlichem) Merchandise der rechtsextremen Kleinstpartei „Der III.Weg“ waren vereinzelt zu sehen. Zudem waren zwei AfD-Lokalpolitiker aus Eberswalde, dort Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, prominent vertreten. Eindrücke des Aufmarsches finden sich beispielsweise hier.

Quelle: Presseservice Rathenow

Was den Aufmarsch von den vorigen unterschied: Es kamen insgesamt einige hundert Teilnehmende mehr und das sonst dominante Bild der jungen Neonazis aus dem Spektrum rund um die Label „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) oder „Jung & Stark“ (JS) wurde heterogener. Auch ältere und seit Jahren aktive Neonazis, wie zum Beispiel mitgewachsene Kategorie C-Fans und neuheidnische Neonazis, erschienen zum Aufmarsch.

Vielfältige Gegenproteste in Friedrichshain

Ein großer Erfolg des Tages waren hingegen die Gegenproteste und ihre mehreren tausend Teilnehmenden, die zentral am Bahnhof Ostkreuz, aber auch dezentral an der ursprünglich angemeldeten Aufmarschroute standen und in den verschiedenen Kiezen unterwegs waren. Die meisten der zahlreichen Demonstrationen, die um den Bahnhof herum angemeldet waren, kamen ab etwa 14 Uhr auf dem Markgrafendamm zusammen. Menschen standen flächendeckend und friedlich auf der Straße und hatten laut Polizeibericht damit Versammlungscharakter. Dem voran gingen kleinere Proteste auf der von den Neonazis angemeldeten Route.

Bereits um 12:00 startete die Initiative „Ostkreuz bleibt bunt“ mit ihrem Kiezprogramm an der Sonntagsstraße. Um 12:30 Uhr lief die ca. 900 Personen starke Queermany-Demo unter dem Motto „que(e)rstellen gegen rechten Aufmarsch – FLINTA(Q)* wehren sich“ vom U-Bahnhof Warschauer Straße aus vorbei am RuDi-Nachbarschaftszentrum bis ans Ende der Persiusstraße, wo die Teilnehmenden zu einer Abschlusskundgebung zum Stehen kamen und sich später in die breiten Proteste auf dem Markgrafendamm einreihten.

Ab 14 Uhr stand die Kundgebung der OMAS GEGEN RECHTS am Frankfurter Tor, einem Punkt an der ursprünglichen Aufmarschroute. Die 300 Teilnehmenden bezogen unter dem Motto „Für Gerechtigkeit und Solidarität, gegen Rechtsextremismus“ auch dezentral und abseits des Ostkreuzes klar Stellung zum Neonazi-Aufmarsch in Friedrichshain – dieser sollte es nicht einmal in die Nähe des Frankfurter Tors schaffen.

Wie es nun weitergeht ist unklar. Kurz nach dem Aufmarsch hatten die Veranstaltenden noch von einem weiteren am 12. April gesprochen. Die Versammlung ist jedoch bisher nicht angemeldet. Wir werden darüber ebenso informieren wie über zivilgesellschaftliche Gegenproteste, die es auch dann wieder geben wird.

Beitragsbild und Fotos der Gegenproteste: Berlin gegen Nazis