Nazi-Zentrale in Berlin? Wie sich NPD und „Heimat” in Köpenick breitmachten

07.08.2026

Kürzlich berichtete der Tagesspiegel, dass die Jugendorganisation der neonazistischen Partei „Die Heimat“ bundesweit wieder an Mitgliedern gewinnt. Die Bundeszentrale der Partei befindet sich in Berlin-Köpenick. Doch wie kam es dazu? Was hat es mit dem Gebäude auf sich? die Kampagne „Keine Heimat für Nazis. In Köpenick und überall.“ will zeigen, dass eine Neonazi-Zentrale in Berlin uns alle angeht und rechtsextreme Raumnahme nicht unbeantwortet bleibt!

Seit 2000 in Köpenick

Nach langer Suche erwarb ein Partei-Großspender 1998 eine Immobilie in Köpenick, die die NPD dann übernahm und ausbaute. Die Bundesgeschäftsstelle der Partei befand sich zuvor in der Rötestraße in Stuttgart. Der offizielle Umzug im Jahr 2000 gilt als Teil einer strategischen Verlagerung der NPD-Strukturen von West- nach Ostdeutschland. Der Verlag der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ zog ins sächsische Riesa.

im Februar 2000 berichtete die taz über die Pläne der NPD

Die Niederlassung in der „Reichshauptstadt” hatte hohen symbolischen Wert für die Neonazis. Das zweistöckige Gebäude nahe des Bahnhofs Köpenick ausgerechnet in der nach dem Widerstandskämpfer benannten Seelenbinderstraße wurde nach dem Großspender „Carl-Arthur-Bühring-Haus” genannt. Der über ein Tor rechts vom Haus erreichbare geräumige Hinterhof wird für Veranstaltungen genutzt.

Rechtsextreme Infrastruktur und ihre Gefahr

Rechtsextreme Infrastruktur bietet „Raum für Kontakte und Austausch unter Gleichgesinnten, so dass sich rechtsextreme Orientierungen oder Teilidentifikationen zu eindeutigen politischen Identitäten stetig reproduzieren und verfestigen können.” Solche Räumlichkeiten sind „Ausgangspunkte und zugleich Ausdruck einer schleichenden Besetzung des öffentlichen Raumes” und erhöhen das „Bedrohungspotenzial für potenzielle Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt.” Das schrieb die MBR 2009 in ihrer Handreichung Rechtsextreme Erlebniswelten und Infrastruktur in Berlin. 

Gruppe Neonazis inszeniert sich vor der Heimat-Zentrale, 17.01.2026

Das Gebäude in Köpenick ist für Teile der Neonazi-Szene ein solcher Anlaufpunkt. Hier können Neonazis übernachten und sich treffen. Hier werden sie ideologisch geschult. Hier bestärken und vernetzen sie sich und planen Aktivitäten. Und von hier gehen Angriffe auf vermeintliche und tatsächliche politische Gegner*innen und alle anderen aus, die für Neonazis legitime Angriffsziele darstellen. Hier wird auch die Strukturarbeit geleistet, damit „Die Heimat” als Parteistruktur weiterhin bestehen und an Wahlen teilnehmen kann wie bald an der zum Berliner AGH.

Das Gebäude im Mai 2026

Das Gebäude fungiert als eine Art Stützpunkt der „Heimat” und rechtsextreme Event-Location in einem. Neonazis suchen den Ort für Freizeitaktivitäten wie Konzerte und Geburtstagsfeiern ebenso auf wie für inhaltliche Vorträge und Hilfsarbeiten für die Partei. Das Umfeld des Gebäudes wird dabei als „Homezone” begriffen, in der man z.B. auf der An- und Abreise dominant auftreten, sich martialisch inszenieren, Infostände veranstalten sowie Menschen einschüchtern und angreifen kann.

Seit dem Wegfall weiterer rechtsextremer Infrastruktur im Bezirk nach langem zivilgesellschaftlichen Druck im Jahr 2014 stellt die „Heimat”-Zentrale einen der letzten verbliebenen Rückzugräume für Neonazis in Berlin dar. In dem Gebäude in Parteibesitz können sie niedrigschwellig Veranstaltungen oder Treffen organisieren, ohne sich viele Sorgen um Gegenwind durch Vermietende oder aufmerksame Nachbar*innen machen zu müssen.

8. August: 250 Neonazis bei „Sommerfest” mit Konzert

Wie wichtig die Neonazi-Zentrale in Köpenick für die Szene ist, zeigte sich am 8. August. Das jährliche „Sommerfest” wurde klandestin organisiert und 250 Neonazis konnten es ungestört besuchen. Gäste reisten teils vermummt in Kleingruppen an und ab. Unter anderem traten der bekannte Musiker Michael Regener (ehemals Sänger der Band „Landser”, heute „Die Lunikoff-Verschwörung”) und ein Sänger aus dem Umfeld des verbotenen internationalen Netzwerks „Blood & Honour“ auf.

Gruppe Neonazis auf dem Weg zur Heimat-Zentrale, 08. 08. 2026

Gegen Ende der Veranstaltung kam es zu einem Angriff, bei dem auf die Kamera eines Fotografen geschlagen und eine NS-Parole gerufen wurde. Abreisende Kleingruppen traten provokant auf, teils fuhren sie danach in eine bekannte rechtsextreme Kneipe in Lichtenberg. Das verhältnismäßig große Event und die Vorfälle zeigen deutlich, wie wichtig die „Heimat”-Zentrale für die Neonazi-Szene in Berlin und darüber hinaus ist. Zeit, dass sie verschwindet!

Ausblick: Verkauf und Wegzug?

Spätestens seit der Etablierung der AfD als maßgeblicher Partei am rechten Rand befindet sich die „Heimat” in einem stetigen Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit. Die Mitgliederzahlen gehen seit Jahren nach unten, auch wenn die Jugendorganisation „Junge Nationalisten” (JN) bundesweit zuletzt wuchs.

Die Partei will auch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ihre Immobilie in Köpenick verkaufen. Laut eigener Aussage will sie sich woanders neu aufstellen. Es ist aber ungewiss, wie lange dieser Prozess dauern wird. Bis dahin bleibt die Zentrale ein Problem. Außerdem ist klar: Mit der Geschäftsstelle der Partei wird Rechtsextremismus nicht aus Berlin verschwinden.

Artikelfotos: Rechts im Bild, Berlin gegen Nazis