In Erinnerung an Bianca Klose
Stets an der Seite der Menschen, die Beratung, Unterstützung und Rückhalt benötigen
Berlin, im Juni 2026. In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Bianca Klose, Geschäftsführerin des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V. und Projektleiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), die am 17. Juni 2026 in Berlin verstorben ist.
Bianca Klose hat mit außergewöhnlichem Engagement, großer Beharrlichkeit und viel Herzblut die Projekte des VDK e.V. aufgebaut und weiterentwickelt. Bis zuletzt setzte sie sich dafür ein, gemeinsam mit einer starken Zivilgesellschaft für eine demokratische Kultur in Berlin und darüber hinaus einzutreten und Haltung gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit zu zeigen. Ihre Stimme und ihre Lebensleistung bleiben unvergessen und wirken weit über ihren Tod hinaus.
Bianca Klose gründete 2001 die MBR und war eine Pionierin der Mobilen Beratung in Deutschland. Ihre ersten Erfahrungen und Erfolge als Beraterin konnte sie im Bezirk Treptow-Köpenick erzielen. Dort entwickelte sie unter anderem Handlungsstrategien für eine wirksame Auseinandersetzung mit Angsträumen, zum Umgang mit Rechtsextremismus im öffentlichen Raum sowie Qualitätskriterien für den Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen in der Jugendarbeit. Gemeinsam mit ihren Kolleg_innen setzte sie fachliche Standards, die bis heute richtungsweisend sind. Ob Haus- und Nutzungsordnungen für Gewerbetreibende oder öffentliche Sportanlagen, Ausschlussklauseln für Rechtsextreme bei Veranstaltungen, Festordnungen oder Leitbilder – die von ihr mitentwickelten Konzepte prägen die Arbeit der Mobilen Beratung bis heute.
2016 war sie an der Gründung des Bundesverbands Mobile Beratung e.V. beteiligt, entwickelte gemeinsam mit anderen die Grundsätze und Qualitätsstandards Mobiler Beratung und war über viele Jahre eine prägende Sprecherin des Verbands.
Für die MBR war Bianca Klose stets vor Ort. Sie beobachtete Neonazi-Aufmärsche, begleitete demokratische und antifaschistische Gegenproteste beratend und unterstützte in den 25 Jahren ihres Wirkens tausende Menschen. Sie vernetzte Akteur_innen an Runden Tischen, sprach in Ausschüssen und Gremien und konnte für unterschiedlichste Zielgruppen die passende Sprache finden. Ihre Leidenschaft galt dabei immer der konkreten Arbeit an den Herausforderungen vor Ort – an der Seite der Menschen, die Beratung, Unterstützung und Rückhalt benötigten.
Ihre Analysefähigkeit, ihre strategische Weitsicht und ihre Beharrlichkeit machten Bianca Klose zu einer der profiliertesten Expertinnen für Rechtsextremismus und demokratische Gegenstrategien in Deutschland. Viele Jahre war sie eine gefragte Ansprechpartnerin für Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Für viele Berliner Demokrat_innen war Bianca Klose über Jahrzehnte hinweg die erste Ansprechpartnerin, wenn es um die Einschätzung rechtsextremer Entwicklungen, demokratische Gegenstrategien und den Schutz von Betroffenen rechter Gewalt ging. Mit ihrer Expertise prägte sie fachliche Debatten weit über Berlin hinaus und trug entscheidend dazu bei, Standards im Umgang mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu entwickeln und zu verankern.
Die MBR wurde unter ihrer Leitung zu einer bundesweit anerkannten Institution und zu einem wichtigen Seismografen für demokratiegefährdende Entwicklungen. 2012 wurde sie stellvertretend für die Arbeit der MBR mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Auch wenn sie darüber ungern sprach: Für ihren Einsatz wurde sie von Rechtsextremen und Antidemokrat_innen bedroht und angefeindet.
Zu den herausragenden Leistungen Bianca Kloses als Geschäftsführerin des VDK gehörte die fachliche und strategische Weiterentwicklung des Vereins. Aufbauend auf den Erfahrungen der Mobilen Beratung etablierte der VDK unter ihrer Führung neben der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus auch die eigenständige Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus als zentrale gesellschaftliche Herausforderungen.
Bianca Klose hat darüber hinaus die demokratische Kultur und die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus im Land Berlin über Jahrzehnte fachlich mitgeprägt. Sie war eine geschätzte Beraterin für Bezirke, Senat, Parlament, Verwaltung und zivilgesellschaftliche Initiativen. In enger Zusammenarbeit mit demokratischen Parteien und politischen Entscheidungsträger_innen trug sie dazu bei, dass die Herausforderungen durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus politisch ernst genommen und wirksame Unterstützungs-, Präventions- und Beratungsstrukturen aufgebaut wurden. Viele heute selbstverständliche Ansätze der Berliner Demokratieförderung, Opferunterstützung und Präventionsarbeit wurden von ihr fachlich begleitet, angestoßen oder mitentwickelt.
Besonders engagierte sich Bianca Klose für die Aufarbeitung des sogenannten Neukölln-Komplexes. Über viele Jahre begleitete sie Betroffene der rechtsextremen Anschlagsserie, unterstützte ihre Forderungen nach Aufklärung und machte immer wieder auf Versäumnisse von Sicherheitsbehörden aufmerksam. Sie setzte sich nachdrücklich für eine umfassende parlamentarische Untersuchung der Angriffsserie ein und brachte ihre Expertise als Sachverständige im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ein. Mit ihrer langjährigen Kenntnis der Berliner Neonazi-Szene trug sie dazu bei, die Perspektiven der Betroffenen sichtbar zu machen, Netzwerke und Kontinuitäten rechtsextremer Gewalt herauszuarbeiten und die Aufarbeitung behördlichen Handelns voranzubringen. Für Bianca Klose stand dabei stets die Frage im Mittelpunkt, wie demokratische Institutionen das Vertrauen der Betroffenen zurückgewinnen und ihrer Verantwortung zum Schutz von Menschen vor rechter Gewalt gerecht werden können.
Ihr Gespür dafür, welche Unterstützung die Zivilgesellschaft benötigt, um sich gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit zur Wehr zu setzen und handlungs- und sprechsicher zu werden, führte zur Entstehung zahlreicher Projekte. Mit dem Projekt AMIRA begab sich der VDK bereits ab 2006 in gesellschaftlich und fachpolitisch kontroverse Debatten über die Wechselwirkungen von Antisemitismus und Rassismus. 2014 rief sie BERLIN GEGEN NAZIS ins Leben, eine Mobilisierungs- und Informationsplattform gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsideologien. 2015 initiierte sie gemeinsam mit Kolleg_innen die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin), aus der ein bundesweites Vorbild für die Dokumentation antisemitischer Vorfälle entstand. Mit REGISHUT setzte sie sich für die Sensibilisierung der Berliner Polizei im Umgang mit Antisemitismus und Betroffenen ein. Zuletzt brachte sie 2024 das Projekt DiRex auf den Weg, das Lehrkräfte und angehende Pädagog_innen im Umgang mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im schulischen Kontext unterstützt.
Bianca Klose hat im Laufe ihres Schaffens zahlreiche weitere Projekte und Organisationen begleitet, unterstützt und geprägt – in Berlin und weit darüber hinaus. Sie war ansprechbar, verlässlich und unermüdlich im Einsatz für andere. Das galt insbesondere für die Projekte und Kolleg_innen des VDK. Sie blieb standhaft, wenn es darum ging, die Arbeit des Vereins gegen politische Angriffe zu verteidigen, etwa im Widerstand gegen einen Bekenntniszwang zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung für engagierte Demokrat_innen (die sogenannte Extremismusklausel). Sie ließ sich in Debatten nie verbiegen, bewahrte ihre Haltung und hielt ihrem Team auch in schwierigen Zeiten den Rücken frei. Gerade in Phasen rechtsextremer und rechtspopulistischer Kampagnen konnten sich die Mitarbeiter_innen auf ihren Schutz und ihre Solidarität verlassen – oft weit über das beruflich Erwartbare hinaus.
Mit derselben Klarheit und Integrität stand Bianca Klose den Kolleg_innen und Projekten auch in Zeiten antisemitischer Anfeindungen und Kampagnen zur Seite. Dabei hat sie nie für andere gesprochen, sondern Menschen und Projekte darin bestärkt, selbst für ihre Werte einzustehen. Mit ihrem Rat, ihrer Erfahrung und ihren klugen, oft herausfordernden Fragen half sie dabei, Perspektiven zu schärfen und die eigene Arbeit weiterzuentwickeln.
Bianca Klose war jedoch weit mehr als eine herausragende Fachfrau und Strategin. Sie war ein Mensch, der anderen mit echter Aufmerksamkeit begegnete. Sie konnte zuhören, ermutigen, streiten und überzeugen. Ihr Rückhalt, ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihre Warmherzigkeit gaben Sicherheit.
Wer mit Bianca sprach, erinnert sich nicht nur an ihre Klarheit und ihren scharfen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen. Man erinnert sich auch an ihr Lachen. Kaum ein Gespräch mit ihr verging, ohne dass sie lachte und andere mit ihrem Humor, ihrer Zugewandtheit und ihrer Lebensfreude ansteckte. Auch in schwierigen Situationen verlor sie nie die Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden und Zuversicht zu vermitteln. Für viele war sie deshalb nicht nur Kollegin, Beraterin oder Vorgesetzte, sondern Freundin, Weggefährtin und verlässliche Begleiterin.
Für Juli 2026 hatten wir gemeinsam mit Bianca Klose einen Strategiegipfel zum Umgang mit rechtsextrem(-orientiert)en Jugendlichen geplant und wollten in diesem Rahmen das 25-jährige Jubiläum der MBR feiern. Sie hat bis zuletzt darum gekämpft, dabei sein zu können. Es ist schwer zu begreifen, dass wir dieses Lebenswerk nun ohne sie fortführen müssen. Das werden wir mit ganzer Kraft in ihrem Sinne tun.
Ihre Stimme ist verstummt. Doch ihre Haltung, ihr Mut, ihre Menschlichkeit und ihr unermüdlicher Einsatz für Demokratie und Menschenwürde werden in den Menschen, Projekten und Initiativen weiterwirken, die sie geprägt hat.
Wir sind in Gedanken bei ihren Angehörigen und engen Freund_innen und wünschen ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit.
Vorstand und Mitarbeitende des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V.
Kondolenzbekundungen sehr gerne an: abschied@vdk-berlin.de
Pressemitteilung zum Tod von Bianca Klose.
