20. Juni: Marzahn Pride setzt auch 2026 wieder ein Zeichen für queere Sichtbarkeit

17.06.2026

Auch in diesem Jahr beginnen die Demonstrationen der Pride-Saison in Berlin mit der Marzahn Pride. Am 20. Juni ist es soweit: der siebte Demozug seiner Art wird durch den Stadtteil ziehen - dieses Mal unter dem Motto „Sichtbarkeit ist Widerstand“. Erneut organisiert das Event der Verein Quarteera, der der Community queerer Migrant*innen v.a. aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion eine Plattform gibt.

Im Aufruf zur Versammlung schreiben die Veranstalter*innen:

Sichtbarkeit – das ist das Recht, jeden Tag Teil der Gesellschaft zu sein: in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, im Arztzimmer, bei der Migrationsbehörde. Es bedeutet, queer zu sein in jeder Stadt, in jedem Bezirk – in unterschiedlichen Räumen und Gemeinschaften. In Berlin ist alles gut“ – aber nicht für diejenigen, die ihrer Familie, ihren Angehörigen oder Freund*innen nicht sagen können, wer sie sind. Nicht für diejenigen, deren Nahestehende in Ländern geblieben sind, in denen es bedeutet, als queerer Mensch strafrechtlich verfolgt zu werden, gesellschaftlich geächtet zu sein oder in ständiger Angst um die eigene Sicherheit zu leben.“

Rechtsextreme Gegenmobilisierung – mit oder ohne Anmeldung

Die Marzahn Pride stand in der Vergangenheit bereits im Visier von Neonazis. 2023 brachte die Kleinstpartei „Der III. Weg“ queerfeindliche Transparente entlang der Route an und fotografierte anreisende Stand-Betreiber*innen. Zudem kam es zu Beleidigungen und einer Störaktion bei der Abschlusskundgebung.

2025 meldeten gleich zwei aktionsorientierte rechtsextreme Jugendgruppen einen „Gegenprotest“ an. Auf der Abreise wurden letztes Jahr zwei Teilnehmer*innen der Marzahn Pride angegriffen und am Rande des Fests auf dem Victor-Klemperer-Platz zeigten bekannte Neonazis Präsenz.

Zuletzt mobilisierten rechtsextreme Jugendgruppen mit mäßigem Erfolg gegen die CSD-Paraden in Frankfurt (Oder)/Słubice am 30. Mai und Eberswalde am 13. Juni. Nicht einmal 50 Teilnehmende fanden sich jeweils ein, um ihre queerfeindliche Hetze zu verbreiten. Angesichts der Gefahr, die von den teils gewaltbereiten Neonazis ausgeht, ist dies dennoch kein Grund zur Entwarnung. Auch die Marzahn Pride könnte wieder in ihr Visier geraten. Angemeldet ist bisher (Stand 17. Juni) noch nichts – wir halten euch auf dem Laufenden.

Sicherheit bei der Pride

Störungen bei und Angriffe auf CSDs sind kein Einzelfall. Eine neue Veröffentlichung des AK Fe.In zeigt noch einmal eindrücklich auf, wie und wo rechte Mobilisierung gegen CSDs und Pride-Events auch 2025 systematisch stattfanden.

Die LGBTIQ*-Community steht im Fokus von gewaltbereiten Neonazis. Menschen, die nicht in die „Norm” von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität passen, dienen als Feindbilder. Queerfeindlichkeit und Antifeminismus sind zentrale Elemente rechtsextremer Ideologie, die verschiedene Akteur*innen des rechten Spektrums verbinden und gesellschaftlich weit verbreitet sind. Leider geht diese Mobilisierung auch 2026 weiter: Neben den erwähnten Mobilisierungen in Brandenburg fanden auch in Saarbrücken, Pforzheim und Dresden schon queerfeindliche „Gegenproteste“ von Rechtsextremen bei CSD-Veranstaltungen statt. Auf Social Media ist die Marzahn Pride bereits bei mindestens einer Berliner Neonazi-Gruppierung präsent gewesen.

Jetzt erst recht!

Die oben genannte Veröffentlichung über die Pride Saison 2025 zeigt aber auch: Die Prides werden größer, es gibt viel Solidarität, es finden überregionale Anreisen statt. Das soll und wird so auch in Marzahn wieder sein!

Route:

Allee der Kosmonauten zw. Märkische Allee/ Helene-Weigel-Platz - Allee der Kosmonauten - Raoul-Wallenberg-Str. - Endpunkt: Victor-Klemperer-Platz

Nach der Demonstration findet erneut ein großes Fest mit Ständen und Bühnenprogramm auf dem Victor-Klemperer-Platz statt.

Anreise:

Einen Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ab S-Bhf. Ostkreuz gibt es um 11:15 Uhr auf dem Vorplatz bei den Bushaltestellen (Ausgang Richtung Markgrafendamm/about blank).

Achtung: Die S-Bahn fährt den Bahnhof Springpfuhl am Samstag nicht an. Es gibt ab S+U Lichtenberg (wenn man die S7 nimmt) bzw. S Friedrichsfelde Ost (wenn man die S5 nimmt) einen schnellen Ersatzverkehr mit Bussen.

Über Veränderungen hinsichtlich der Sicherheits- und Versammlungslage halten wir euch natürlich hier und auf Instagram auf dem Laufenden.