Gespräch: „Mein Opa war der Totengräber von Rumbula“

Wann:
18. Januar 2024 um 19:00
2024-01-18T19:00:00+01:00
2024-01-18T19:15:00+01:00
Wo:
Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8
Berlin-Kreuzberg
Preis:
Kostenlos

Begleitprogramm zur Ausstellung „‚Der Tod ist ständig unter uns.‘ Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland“

Im Wald von Rumbula bei Riga wurden im November/Dezember 1941 innerhalb von zwei Tagen etwa 26.500 lettische Jüdinnen und Juden aus dem Ghetto Riga ermordet sowie 1.053 Jüdinnen und Juden, die aus Berlin nach Riga deportiert worden waren. Der Ingenieur und SS-Offizier Ernst Hemicker (1896–1973), Baudezernent beim Höheren SS- und Polizeiführer Ostland und Rußland-Nord, war an der Mordaktion beteiligt. Er organisierte die Planung und Aushebung von Massengräbern im Wald von Rumbula. Am 30. November 1941 beaufsichtigte er zeitweise auch die erste der beiden Massenerschießungen. Im Anschluss koordinierte er die Sortierung und Lagerung der Bekleidung der Ermordeten. Obwohl schon 1931 in die NSDAP und 1933 in die SS eingetreten, hielt sich in der Familie lange Zeit das Gerücht, Ernst Hemicker sei Mitläufer gewesen.
Lorenz Hemicker hat seinen Großvater Ernst Hemicker nie kennengelernt. Erst nach dem Tod seines Vaters begann er, der Geschichte seines Großvaters nachzugehen und aufzudecken, was er im Nationalsozialismus getan hatte. Im Gespräch berichtet Lorenz Hemicker von seinen Recherchen und geht der Frage nach, wie mit dem familiären Erbe umzugehen ist.

 

Lorenz Hemicker arbeitet bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Chef vom Dienst Online. Zuvor war er in der politischen Redaktion mit Sicherheits- und Verteidigungspolitik befasst. Nach einem Studium der Kommunikationswissenschaften, Politischen Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre war er zunächst Chef vom Dienst des sicherheitspolitischen Magazins „loyal“.

Natascha Höhn, Sozialwissenschaftlerin, war Kuratorin im Team der Ausstellung „‚Der Tod ist ständig unter uns.‘ Die Deportationen nach Riga und der Holocaust im deutsch besetzten Lettland“.